Bauch vs. Kopf – Wem soll ich zuhören?

Warum der Bauch immer mitreden sollte


© tanawatbig


„Ich denke, also bin ich.“ Descartes und ich haben eine Sache gemeinsam: Bei uns gibt der Kopf den Ton an.

Das Glück mit der Logik
Zahlen, Daten, Fakten – bei all den Dingen, die sich mit Logik erklären lassen, geht es mir gut. Und wenn mir etwas überraschend erscheint, lasse ich mich gern von Berichten über wissenschaftliche Studien überzeugen. Wenn Experimente immer wieder die gleichen verblüffenden Ergebnisse hervorbringen, die Zusammenhänge komplex sind – all das bringt mich nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil, ich nehme es in meinem Kopf zu den Fakten des Lebens auf, an denen ich mich orientiere. Da wundert es wohl keinen, dass ich mich beruflich den Naturwissenschaften zugewandt habe.

Leider gibt es Dinge, die sich nicht abschließend mit dem Verstand analysieren lassen. Oder wo es schlicht zu lange dauern würde. Gerade bei schwierigen Entscheidungen bringt erst die Zukunft Klarheit über die wirklichen Konsequenzen. Und wenn es dann noch um persönliche Träume oder gar Herzensangelegenheiten geht, kommt der Kopf an seine Grenzen. Für einen Kopfmenschen wie mich liegt hier zugegebenermaßen auch das Ende der Komfortzone.

Bauchgefühl vs. Verstand
Natürlich meldet sich auch bei mir das Bauchgefühl regelmäßig zu Wort. Allerdings reichte mir das lange nicht als Grundlage wichtiger Entscheidungen. Also mussten objektive Kriterien her: Listen mit Vor- und Nachteilen. Doch sollten alle Kriterien gleich schwer ins Gewicht fallen? Eine rein mengenmäßige Betrachtung der Pros und Contras widerstrebte mir dann doch. Und wusste ich nicht eigentlich, was ich wollte? Im Nachhinein betrachtet habe ich wohl so manches Mal die Fakten passend gemacht, so dass die Entscheidung für mich plausibel vertretbar war.

Doch sollte ich wirklich mal nur auf mein Bauchgefühl hören? Was soll denn mein Bauch schon wissen, was mein Kopf nicht verstehen kann? So ein Haufen von Organen, die hauptsächlich für die Verdauung zuständig sind… Ich kann schließlich nie ganz sicher sein, ob mein Bauch mir etwas mitteilen will oder ob ich nur etwas Falsches gegessen habe, das mir nun schwer im Magen liegt.

Wissenschaftliche Abhilfe für das Dilemma
Vor ein paar Monaten fand ich endlich ein Buch, das mir wissenschaftliche Argumente für den Wert des Bauchgefühls lieferte. Ich hatte mich eigentlich mit dem Thema Verdauung beschäftigt und mir das Buch „Darm mit Charme“ von Giulia Enders gekauft. Und da waren endlich die Fakten, die mich überzeugten:

Giulia Enders schreibt, dass es zwischen dem Darm und dem Gehirn eine Reihe von Gemeinsamkeiten gibt, wie z.B. die hohe Dichte und Vielfalt von Nerven und Signalstoffen, sowie deren intensiven Vernetzungen. „Das Nerven-Netzwerk des Darms wird deshalb auch Darmhirn genannt, eben weil es so groß ist und chemisch ähnlich komplex.“ Na bitte – wenn der Darm so viel kann wie mein Kopf, dann erklärt das, warum er eine eigene Meinung hat. Aber warum ist die manchmal sogar scheinbar so viel besser als die Perspektive des Verstandes?

Auch dafür hat Frau Enders eine Erklärung: Der Bauch und speziell der Darm ist einfach näher am Geschehen. Während das Gehirn stark abgeschirmt am oberen Ende des Körpers sitzt, bildet der Bauch genau unsere Mitte. Hier wird das Essen verarbeitet, und in einem engen Austausch mit Blut und Immunsystem erhält der Darm alle Informationen über unseren derzeitigen Zustand und beeinflusst maßgeblich das Wohlbefinden. Der Darm ist „das größte sensorische Organ des Körpers. … [Er] empfindet unser Innenleben und arbeitet im Unterbewusstsein.“

Mein Fazit: Die Mischung macht‘s
Ergänzt mit zahlreichen nachvollziehbaren Argumenten und Studien mit Mäusen und Menschen hat mich Giulia Enders überzeugt (auch wenn das gar nicht das Ziel ihres Buches war): Das Bauchgefühl hat seine Berechtigung. Weil es im Unbewussten viel mehr Informationen über mich verarbeiten kann als das Gehirn mir im Bewusstsein spiegelt, traue ich mich nun genauer hinzuhören.

Seit ich auch noch gelesen habe, dass etwa 95% des Glückshormons Serotonin im Magen-Darm-Trakt zu finden sind, glaube ich es: Der Bauch weiß besser, was mir gut tut. – Außerdem ist damit endlich für mich die Frage geklärt, warum Schokolade glücklich macht. Die wandert schließlich direkt dahin, wo das Glück zu Hause ist.






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Tatjana schrieb:
Ein schöner und inspirierender Artikel und eine Motivation, den Bauch bei aller Ratio nicht zu vernachlässigen. Danke an Euch, liebes Dreampions-Team.



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