Von den wilden Kerlen bis zum Triple

Pauline Bremer

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Irgendwann findet auch der größte Traum seinen Anfang, und bei jedem sieht die Initialzündung anders aus. Die einen werden in ihren Traum hineingeboren und wachsen damit auf, andere stoßen durch eine zufällige Begegnung darauf. Bei mir war es ein Film, der den Stein ins Rollen brachte.

Nach den „Wilden Kerlen“ direkt auf den Platz
Ich erinnere mich genau daran, wann alles begonnen hat. Gerade neun Jahre war ich alt, als ich 2005 den Film „Die wilden Kerle“ gesehen habe – und plötzlich an nichts anderes mehr denken konnte als daran, selbst zu spielen. Wie die Jungs und Mädels da auf der Leinwand kickten und Spaß dabei hatten, das war eine unglaublich große Inspiration. Also fing ich an, mich ebenfalls am Ball auszuprobieren.



Zunächst spielte ich auf dem Schulhof mit Freunden und zu Hause mit meinen Schwestern. Wann immer ich Zeit hatte und jemanden fand, der mitmachte, kickte ich stundenlang Bälle umher. Wenn keiner wollte, spielte ich eben allein. Da lag der Schritt bei SVG 07, dem ansässigen Fußballverein in Göttingen, einzutreten eigentlich auf der Hand. Meine Eltern meldeten mich an, und vom ersten Tag an war ich mit Feuereifer bei der Sache.

Vom Heimatverein in die Welt hinaus
Sieben Jahre lang spielte ich bei der SVG in der Jugend, unter anderem auch beim sogenannten „Stützpunkt“, einer Auswahlmannschaft für Jungs aus dem Kreis Göttingen. Es soll nicht unbescheiden klingen, aber ich war gut, richtig gut, weshalb mit 16 Jahren plötzlich zwei Angebote ins Haus trudelten: Eines vom Sportinternat Potsdam, das andere aus Magdeburg. Man bot mir die Chance, dort das Abitur zu machen und währenddessen meine Ausbildung als Spielerin voranzubringen.

Internat. Weg von der Familie, von den Freunden. Die Entscheidung machte ich mir nicht gerade leicht. Aber der Wunsch war so groß, endlich täglich Fußball spielen und meine Technik verbessern zu können, dass ich meinen Mut zusammennahm und beide Internate besuchte, um mir ein Bild von ihnen zu machen. Schlussendlich entschied ich mich für Potsdam. Es war genau die richtige Zeit: Ich hatte gerade die zehnte Klasse erfolgreich absolviert, die Qualifikation für die Oberstufe war also da, und die Lust am Sport ohnehin.

Bundesliga und Nationalmannschaft
Bereits nach kurzer Zeit auf dem Sportinternat erhielt ich die Möglichkeit, in der Bundesliga beim FFC Turbine Potsdam spielen zu können. Insgesamt drei Jahre lang sammelte ich in Potsdam Erfahrungen – zunächst in der zweiten Mannschaft, später auch in der ersten - und nutzte alle Möglichkeiten, um stetig besser zu werden. Als dann auch noch der Ruf in die U20 Nationalmannschaft erfolgte, war ich meinem großen Traum, Profi-Spielerin zu werden, wieder einen weiteren Schritt nähergekommen. Zuvor hatte ich bereits in den DFB-Auswahlteams der U15 und U17 gespielt und dies war nun eine weitere tolle Entwicklung. Ich trainierte jeden Tag, spielte mit der Bundesliga im eigenen Land und mit der Nationalmannschaft international. Dabei waren wir als Team so erfolgreich, dass wir 2014 sogar die U20-Weltmeisterschaft in Kanada für uns entscheiden konnten. Fußball-Weltmeister! Das hätte ich mir mit neun Jahren nie zu träumen gewagt.

Natürlich brachten mich all diese Erfahrungen nicht nur persönlich, sondern auch sportlich sehr viel weiter. Als ich 2015 dann das Abi in der Tasche hatte und mich zuerst das Angebot erreichte, dem Team von Olympique Lyon beizutreten, und ich kurz darauf von Silvia Neid in den Kader der A-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft berufen wurde, konnte ich mein Glück kaum fassen. Es ging alles so schnell! Aber genau das war es ja, worauf ich nun seit über zehn Jahren hingearbeitet hatte.



Das Triple
Durch die Unterstützung meines Beraters hatte sich das Angebot aus Lyon für mich ergeben und bei mir mischten sich Aufregung, etwas Stolz aber auch Respekt vor der Herausforderung. Letztlich machte ich mir die Entscheidung nicht einfach, ins Ausland zu gehen. Wenn ich aber dauerhaft im Rennen bleiben wollte, konnte ich das Angebot eines Top-Teams wie Lyon nicht ausschlagen. Außerdem hatte ich während der Schulzeit bereits Französisch als Unterrichtsfach gehabt, was mir meinen Entschluss leichter machte. Und auch hier zahlte sich meine Entschiedenheit aus, denn das Team nahm mich nicht nur freundlich auf und unterstützte mich selbst in Zeiten von Verletzungen großartig. Gleich in meinem ersten Jahr dort schafften wir es nämlich, nicht nur Französischer Meister und Französischer Pokalsieger zu werden, wir holten zudem den Champions League Titel. Das Triple! Wahrscheinlich erinnern sich viele daran, wie es war, als der FC Bayern das damals in Deutschland geschafft hat. Ich kann nur sagen, das Gefühl ist absolut irre.

Die absolute Krönung dieser Supersaison wäre jetzt noch die Olympiateilnahme mit der Nationalmannschaft in Rio gewesen. Ich gehörte zum vorläufigen Kader wurde aber leider nach den Vorbereitungslehrgängen nicht in das endgültige Aufgebot berufen. Bundestrainerin Silvia Neid hatte die Qual der Wahl und leider war ich diesmal nicht dabei. Natürlich war ich enttäuscht, denn Olympia wäre ein Traum gewesen und ich war ja schon sehr nah dran. Aber so ist es im Sport, man kann nicht immer gewinnen, weder als Team noch als einzelne Spielerin, und ich werde meinen Teamkameradinnen auf jeden Fall die Daumen drücken, dass sie in Brasilien ganz weit kommen. Persönlich habe ich von den Trainingseinheiten mit der Nationalmannschaft wie immer sehr profitiert und freue mich schon auf die nächsten Gelegenheiten für Deutschland spielen zu können - ich befinde mich ja noch am Anfang meiner Profikarriere. Und wenn der Schmerz über die Nicht-Nominierung mal wieder aufkommt, kann ich ja an Tokio 2020 denken. Mit etwas Glück werde ich dann auch im Olympischen Dorf wohnen und all die Top-Stars der verschiedensten Sportarten kennenlernen.

Wenn ich bedenke, dass seit „Die Wilden Kerle“ gerade einmal elf Jahre vergangen sind, muss ich mich selbst manchmal in den Arm zwicken und daran erinnern, was ich in dieser Zeit bereits alles erreicht habe. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es trotzdem erst der Anfang für mich ist.


Bis bald - hoffentlich seid ihr auch bei meinem nächsten Beitrag auf Dreampions dabei.








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