College-Basketball war eine unglaubliche Erfahrung


© © privat via Jens Kujawa

Manche Menschen verträumen ihr Leben ohne ihre Lebensträume umzusetzen, manche geben sich mit einem gelebten Traum zufrieden und wieder anderen gelingt es, in jeder Phase ihres Lebens neue Träume anzugehen und umzusetzen. Jens Kujawa gehört zu dieser dritten Gruppe. Als Jugendlicher bekam er die Möglichkeit, eine Highschool in den USA zu besuchen, erspielte sich dort ein Basketball-Universitätsstipendium und wurde später mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister. Beufliche Erfolge schlossen sich an und als Vorstand von Basketball Aid e.V. gelingt es ihm immer wieder, krebskranken Kindern und ihren Familien zu helfen.

In seiner Artikelserie bei Dreampions beschreibt Jens Kujawa seinen langen Weg und gibt euch persönliche Einblicke und (hoffentlich) hilfreiche Meinungen.


Teil 1: Basketballerische Anfänge und mein Karrierestart in den USA
Teil 2: Meine Zeit am US-College und persönliche Tipps für Nachwuchs-Talente:

Harter Wettbewerb der Colleges
Nach meinem High School-Abschluss in Taylorville, Illinois stand die Entscheidung an, zur Uni zu gehen. Ich wurde massiv rekrutiert und entschied mich für 3 Unis, die ich besuchen wollte. Eine davon war Berkeley in Kalifornien. Nachdem ich Berkeley besucht hatte, wollte ich da eigentlich hingehen. Es war großartig: Ich flog für ein Wochenende hin und wurde komplett umsorgt mit Zimmer, Essen, Entertainment und allem, was dazu gehört. Dann war ich in der University of Maryland. Dort arrangierten sie sogar einen Besuch im Weißen Haus mit Händeschütteln beim Präsidenten. Das war schon echt toll – als Jugendlicher ins Weiße Hause zu gehen und Reagan und dem deutschen Präsident Carstens die Hände zu schütteln. Das war unglaublich.

Zu guter Letzt war ich dann bei der University of Illinois und entschied mich schließlich auch für sie. Ein Hauptgrund war, dass Basketball dort Hauptsport ist. Jedes Spiel hat 16.000 Zuschauer und wird live im Fernsehen übertragen. Meine Gasteltern waren in der Nähe und ich hatte eine Art „Home away from home“. Ich musste also mein Umfeld nicht verlassen und kam in eine sehr erfolgreiche Basketball-Mannschaft.

Großzügige Gastfamilie
Alle meine Gastfamilien waren sehr großzügig. Die ersten an der High School nahmen mich auf, um die Schule zu unterstützen. Die hatten ein großes Haus und der Sohn war in derselben Schule. Das passte also. Die Millionärsfamilie nahm mich auf, weil sie der High School in der Stadt etwas Gutes tun wollte. Wenn sie einen guten Basketballspieler aufnehmen und die Basketball-Mannschaft erfolgreich ist, gewinnen sie auch Ansehen in der Stadt. Der Gastvater war ein großer Basketballfan und sie konnten es sich leisten, ihre eigenen beiden Kinder waren bereits ausgezogen. Sie freuten sich natürlich auch sehr, dass ich zu ihrer Lieblingsmannschaft an der University of Illinois ging. Bei jedem Spiel waren Sie anwesend und hatten Dauerkarten, da die Autos der Trainer von ihnen finanziert wurden.

NCAA College-Leben
An der Uni war es dann noch einmal eine ganz andere Welt. Es war wiederum eine Steigerung, auch gegenüber der zweiten High School, die mich schon recht gut vorbereitet hatte. Basketball an der Uni ist vergleichbar mit Profi-Basketball in Deutschland. Wir haben sogar Jugoslawien mit allen Top-Stars in einem Vorbereitungsspiel besiegt. Die Mannschaft wird allerdings sehr restriktiv geführt, du hast als Spieler weniger Freiheiten. Was die Trainer sagten, musste gemacht werden. Da wurde man auch schon mal angeschrien. Es gab damals einen Trainerstab von 5 Trainern plus 6 Manager. Ich kam jeden Tag anderthalb Stunden vorher zum Training oder blieb länger und musste dann gegen einen anderen Deutschen spielen (Olaf Blab, der Bruder des späteren NBA-Spielers Uwe Blab, war auf der Uni mein Gegenspieler und wir kämpften um den einen Spot. Das ging ein ganzes Jahr, mit sehr viel Frust. Doch ich bin als Sieger hervorgegangen und er verließ die Uni).

An der Uni war ich Teil einer Verbindung (Alpha Tau Omega Fraternity als Teil der Greek Society). Das war toll für mich: Wir lebten in einem richtig großen Haus mit 100 Studenten, waren eigenverwaltet. Ich wollte nur zu Uni von Illinois gehen, wenn ich dort wohnen durfte. Das war allen anderen Studenten bisher verboten worden, aber mir hat man das zugetraut. Meine Noten waren ganz gut und es wurde auch viel kontrolliert. Ich musste morgens um 7 Uhr aufstehen, irgendwo hinfahren und einchecken. Dann warteten die Checker vor der Klasse und ich musste vor und nach der Stunde unterschreiben, dass ich da war. Das machen sie meist während des ersten Jahres, um zu sehen, wie der Student unterwegs ist. Nach einem Jahr war das dann vorbei. Insgesamt war das Fraternity-Leben super und machte viel Spaß. Es gab einen großen Zusammenhalt.

Basketball auf Klasse-Niveau
Der Uni-Basketball war super-professionell. Nach der Schule war ich um ein Uhr in der Halle. In meinem ersten Jahr musste ich erst getaped werden, dann kam eine Stunde Individual-Training. Danach trainierten wir bis zu vier Stunden. Wir bekamen genau einen Becher Gatorade im gesamten Training. Der Trainer war da ein wenig altbacken und meinte, im Spiel könnten wir auch nicht die ganze Zeit trinken, daran sollten wir uns gewöhnen. Das war schon Hardcore. Aus heutiger Sicht war das Training sicherlich nicht optimal. Aber ich wurde da tough. Wir machten viel Krafttraining. In der Mannschaft hatten einige eine ganz andere Herkunft: Viele waren aus Southside Chicago, hatten Gang-Erfahrung, Väter, die ihre Zigaretten auf ihrer Brust ausgedrückt hatten, einen besten Freund, der erschossen wurde, oder sozial sehr schwache Familien. Das war natürlich schwierig. Da gab es auch mal Raufereien. Es war neu für mich, dass ich mich auch mal schlagen musste, um Respekt zu bekommen.

Im ersten Jahr trainierte ich, spielte aber nicht. Ab dem zweiten Jahr kam ich auf den Platz. Und im dritten und vierten Jahr war ich in der Ersten Fünf. Zwar erzielte ich nie viele Punkte, aber ich startete jedes Spiel und konnte immer einen wertvollen Beitrag leisten können – über Rebounds, Defense oder meinen Haken, den ich gut entwickelt hatte. Es gab viele Highlights, auch wenn wir nie so weit kamen, wie wir wollten. Wir waren immer bei den Top 30 Mannschaften der US-Colleges. Das war sehr gut über die ganze Zeit, aber wir schafften es nie über die dritte Runde der Play-Offs hinaus. Ich spielte gemeinsam mit den zukünftigen NBA-Stars Kendall Gill, Nick Anderson, Kenny Battle und Ken Norman. Das waren echte Stars. Wir wurden in allem begleitet, von der Schularbeit bis hin zum Essen, zur Physio etc. Das war echt klasse.

Ich hatte an der Uni immer einen guten Notendurchschnitt. Ich lag bei 4.2 auf einer Skale bis 5. Das war ein gutes B. Damit gehöre ich unter den Athleten zu den Besten. Außerdem spielte ich viel, hatte tolle Erlebnisse. Ich spielte gegen North Carolina, gegen viele Topleute. Es war toll, teilweise vor 20.000 Leuten zu spielen. Trotzdem hatte ich an der Uni nie diesen großen Erfolg, den ich mir erträumt hatte. Also z.B. mal die „Big 10“ zu gewinnen, einen Ring zu bekommen oder ein Final-4 zu spielen. Nach vier Jahren bekam ich dann ein Vertragsangebot aus Leverkusen. Ich hätte eigentlich noch ein Jahr in den USA spielen können, doch ich hatte bereits den Uni-Abschluss und entschied mich dann, nach Deutschland zurückzukehren. Für mich war das eine grandiose Zeit.

Empfehlung: US-College für deutsche Top-Basketballer?
Prinzipiell würde ich jedem guten Basketballer empfehlen, ein Jahr an der High School zu verbringen und Basketball auf einem anderen Niveau zu erleben. Der Sport wird ganz anders gelebt als hier und man muss sich anders behaupten. Es sollte aber eine High School sein, an der Basketball wirklich eine Bedeutung hat. Also nicht unbedingt in Kalifornien, wo nur 200 Leute zum Spiel kommen, sondern eher in Iowa, Michigan, Illinois oder Kentucky. Wenn man dort Erste Fünf spielt und dabei eine andere Kultur kennenlernt, wird man menschlich reifer. Das würde ich jedem empfehlen. Was ich nicht empfehlen würde, ist, einfach ein High-School-Jahr zu machen und nebenbei Basketball zu spielen. Dann wird man als 9. oder 10. Mann eingesetzt. Das kann schnell frustrieren und das Umfeld ist meist nicht so professionell. Das hilft nicht wirklich weiter.

Fürs College kommt es darauf an, da würde ich differenzieren. Wenn man es gerade so schafft, am Junior College oder in einer schwachen Uni-Mannschaft mitzuspielen, dann würde ich es nicht empfehlen. Für Topstars, die relativ schnell mit Basketball Geld verdienen wollen, glaube ich, gibt es inzwischen in Deutschland gute Ausbildungsstätten in den richtigen Mannschaften, die die Spieler voranbringen. Das ist im Vergleich zu früher wesentlich besser geworden. Ich würde sagen, die Top-Talente brauchen die USA nicht mehr. Das Jahr High School ist sinnvoll, aber danach, glaube ich, kann man sich in Deutschland besser entwickeln und kommt schneller weiter. Und man kann auch schneller Geld verdienen. 4 Jahre USA sind schön, aber es sind auch Jahre, in denen man kein Geld verdient und in einem sehr engen Korsett spielt. Die Umstellung auf die Bundesliga danach ist durchaus nicht einfach.

Für die, die nicht zu den absoluten Top-Talenten gehören – für die Top 6 bis 20 eines Jahrganges – kann die USA einen Riesensprung bringen. Man kommt in eine andere Kultur, man konzentriert sich nur noch auf Basketball. Man ist weg von allem, was einen in Deutschland vielleicht davon abhält, professionell zu arbeiten. Das kann ein Sprungbrett sein, wenn sie danach wiederkommen, viel athletischer und gedrillt, nachdem sie sich nach oben gearbeitet haben. Das klappt aber nur, wenn man es auf eine gute Uni schafft und auch wirklich spielt. Das muss kein Top-20-College sein. Aber es sollte ein NCAA-Kandidat sein: Wer in den Playoffs der NCAA dabei ist, bei den besten 64, der hat ein gutes Programm. Wenn du das schaffst, dann würde ich sagen, das macht Sinn!

Nächste Schritte
Nach 4 Jahren an der University of Illonois war es für mich Zeit für den nächsten Schritt. Was danach kam und mit welchen sportlichen und persönlichen Herausforderungen ich zu kämpfen hatte, erzähle ich euch in meinem nächsten Artikel auf Dreampions.

Bis dahin,
Jens

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