Erfolg in den wichtigsten Gesprächen vor dem Auswandern


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Meist wird mein Alter überschätzt (leider oft von Frauen), was für einen Mann Anfang 50 kein gutes Zeichen ist. Ich arbeite weit mehr als 40 Stunden in der Woche, und: Ja, ich lebe, wo andere Urlaub machen, und bin dort mit meinem eigenen Geschäft beruflich erfolgreich. Auch wenn es mir selbst nicht so vorkommt, habe ich anscheinend etwas geschafft, wovon viele andere Menschen träumen.


Seit ich auf der Insel lebe hatte ich dutzende Male die Gelegenheit, mit deutschen Touristen zu reden, die mehr über meine Auswanderung und mein neues Leben erfahren wollten. Aus ihren Fragen und Bemerkungen höre ich manchmal Bewunderung heraus, Neid ist dabei, aber besonders eine Form von traurigem Unverständnis, warum mir so leicht gefallen ist, was ihnen so schwerfällt.

Und immer wieder wundert es mich dann, welches Problem viele von der Auswanderung Träumende vom letzten Schritt abhält. Diese eigentlich auswanderungsinteressierten Menschen schaffen es nicht, ihre Freunde, Eltern und sonstigen Verwandten von ihrem Schritt zu überzeugen. Dadurch werden die Bedenken anderer eine so schwere Belastung für sie, dass sie die Umsetzung des Auswanderertraums blockieren.

Dieses Problem stellte sich für mich überhaupt nicht. Ich investierte damals Zeit in die neue Sprache, machte mir Gedanken, wie ich Freunde finden und wo ich leben würde. Nächtelang lag ich wach, weil ich unsicher war, ob meine Geschäftsidee im Ausland funktionieren würde. Meine Fragen, Ängste und Gedanken waren auf die Zukunft ausgerichtet, auf mein Leben an meinem Traumort – nicht auf die Bedenken anderer in meiner Gegenwart. Sicher hatte ich Glück, dass meine Eltern und Geschwister mich sofort vorbehaltlos unterstützten, mir sogar Mut machten. Vielleicht hatte ich eine besondere Begeisterung, die andere mitriss. Aus heutiger Sicht half mir aber besonders eine Erkenntnis:

Rein objektive Empfehlungen sind sehr, sehr selten. Wenn dir jemand einen Ratschlag gibt oder deine Idee beurteilt, spielt immer auch die individuelle Perspektive dieser Person eine Rolle. Natürlich habe auch ich meinen Plan mit Freunden und Familie besprochen. Gerade bei einer Auswanderung ist es unerlässlich, die einem nahestehenden Menschen ins Boot zu holen und ihre Meinung zu hören. Die folgenden drei Methoden haben mir sehr geholfen, diese Gespräche richtig zu führen und die Qualität möglicher Ratschläge zu beurteilen:

„Traumwahrnehmung“
Die erste Frage klingt banal: Hat mein Freund, mit dem ich über mein Projekt spreche, meinen Traum richtig verstanden, so dass er mir gute Empfehlungen geben kann? Es reicht nicht nur zu sagen, „Ich überlege auszuwandern“. Man muss sich zunächst die Zeit nehmen, dem anderen die Details des Traums zu vermitteln.
Neben den Fakten sind besonders die Emotionen wichtig. Meine Eltern und Freunde wussten natürlich, wie wichtig mir die Sonne ist und dass mich die vielen wolkigen Tage in Deutschland schon immer deprimiert hatten. Mein Studienfreund dagegen, der mich nicht seit Kindesbeinen an kennt, musste erst verstehen, warum mir dieser Traum so wichtig ist. Erst dann konnte er wirklich eine Empfehlung abgeben, die meine Perspektive berücksichtigt – und darum geht es ja letztlich, denn ich bin derjenigen, der die Auswanderung schließlich umsetzen muss. Erst als er meinen Traum wirklich verstand, meine Begeisterung spürte, merkte dass ich gut vorbereitet bin und die Konsequenzen meiner Entscheidung akzeptiere, konnte er meinem Projekt wirklich konstruktiv begegnen.

„Traumerfahrung“
Wenn das Auto kaputt ist, lässt man es von einem Fachmann reparieren und folgt nicht den Tipps eines Bürokollegen. Genauso sollte jemand die Erfahrung und das Wissen haben, um den eigenen Traum beurteilen und hilfreiche Empfehlungen geben zu können.

Unser Nachbar hatte selbst längere Zeit im Ausland gelebt und konnte mir viel bessere Empfehlungen geben als jemand, der auf der Insel nur mal Urlaub gemacht hat oder sie sogar nur aus dem Fernsehen kennt. In meinem Fall kam neben der Auswanderung ja auch noch der Schritt in die Selbständigkeit als zweites Risiko dazu. Hier half mir eine ehemalige Schulfreundin, die Erfahrung als Gründerin hatte und deren Ratschläge entsprechend hilfreich waren.

Ohne dass es böse gemeint ist: Mir war von Anfang an klar, dass viele Menschen in meinem Freundes- und Verwandtenkreis nicht das Wissen und die Erfahrung haben, um meinen Lebenstraum beurteilen zu können. Ich informierte sie und versuchte, sie für die Inhalte meines Traums zu begeistern, aber ich nahm mir ihre Kommentare nicht zu sehr zu Herzen.

„Traumauswirkungen“
Der letzte Punkt ist vielleicht der wichtigste: Man sollte beachten, dass einem nahestehende Personen - gewollt oder ungewollt – auch eigene Interessen in ihre Empfehlung einfließen lassen. Meine Eltern, die Sicherheit sehr schätzen, hatten nichts gegen das Auswandern an sich, aber betrachteten meine Geschäftsidee mit großer Vorsicht und Zurückhaltung. Vielleicht hatten sie auch Angst, im Falle eines finanziellen Scheiterns die Konsequenzen (mit-)tragen zu müssen.

Meine Schwester befürchtete, dass wir uns aufgrund der großen Entfernung nur noch selten sehen werden – was sich im Nachhinein zum Glück als falsch herausstellte. Bei einem Verwandten, der mir sonst ausschließlich positiv gegenüber steht, hatte ich das Gefühl, dass er durch meinen umgesetzten Traum daran erinnert wurde, wie wenig aus seinen eigenen Träumen geworden ist – was natürlich auch negative Emotionen auslöste. Nicht alle dieser Gespräche waren einfach, aber es half mir ungemein, die Perspektive meiner Gegenüber zu verstehen.

Die Entscheidung liegt bei dir!
Vielleicht helfen dem einen oder anderen meine Erfahrungen. Man sollte immer beachten, dass Empfehlungen nicht rein objektiv sind, sondern oft eine subjektive Perspektive beinhalten. Wenn du in diese Situation kommst frage dich, wie ein unabhängiger Dritter deinen Traum und deine Entscheidungssituation beurteilen würde. Es ist wunderbar, die Erwartungen und Hoffnungen von nahestehenden Personen zu erfüllen, aber nur, wenn diese Erwartungen auch mit den eigenen Zielen übereinstimmen. Ich denke, dass es am Ende nur eine Person gibt, die beurteilen kann, ob meine Entscheidung richtig und mein Leben erfolgreich war – und diese Person bin ich selbst.

Dass ich dies geschafft habe und meinen Traum umsetzen konnte, macht mich schon etwas stolz und dann vergesse ich auch wieder, dass ich älter aussehe als ich eigentlich bin.







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