Erfüllung durch Höchstleistung in eisiger Natur

Jörn Theissig

© via: Jörn Theissig

Dreampions: Jörn, toll dass du dich bereit erklärt hast, auf Dreampions.de eine Artikelserie zu starten und über deine Abenteuer und Erfahrungen zu berichten. Für uns bist du ganz klar ein Dreampion. Was verbindet dich mit dem Dreampions-Konzept und den Inhalten unserer Seite?
Jörn Theissig: Zunächst einmal denke ich, dass Ziele, Begeisterung und große Träume ein Leben bereichern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die ihre Träume verfolgen, im Alltag zufriedener und auch im Beruf motivierter sind. Von daher stimme ich mit der Grundtendenz von Dreampions.de überein und freue mich, wenn ich dazu beitragen kann, dass andere Menschen begeisterter leben.



Du hast bereits das Thema „Lebensträume“ angesprochen. Was ist dein Lebenstraum?
Jörn Theissig: Es sind bei mir mehrere Facetten, die den Lebenstraum ausmachen, aber die Überschrift ist, dass ich – wenn ich irgendwann einmal auf mein Leben zurückblicke – sagen kann, dass ich ein erfülltes Leben geführt habe. Dies ist eine sehr langfristige Perspektive. Genauso möchte ich aber auch abends, wenn ich in den Spiegel schaue, zufrieden mit dem Tag sein und das Gefühl haben, die richtigen Dinge gemacht und einen erfüllten Tag gelebt zu haben.

Den Begriff „Erfüllung“ definiert jeder natürlich anders, da gibt es sehr subjektive Einschätzungen und Ziele. Für mich bedeutet „Erfüllung“, dass ich ein Leben mit sehr intensiven Erlebnissen leben möchte. Und diese besondere Intensität erlebe ich in der Natur. Die Natur beschenkt mich mit diesen Momenten, den faszinierenden Erlebnissen und natürlich den Erinnerungen, von denen ich dann lange zehren kann. Andere bekommen einen besonderen Kick beim Bungee-Springen oder ähnlichen adrenalinfördernden Erlebnissen. Das ist zwar nicht meine Welt, aber ich kann es verstehen. Für mich ist es gerade die Einsamkeit, die mir viel bedeutet. Wenn ich dies noch mit meiner Liebe für Eis und Schnee verbinden kann, dann bin ich der Erfüllung schon sehr nahe.

Eis und Schnee gibt es ja auch im Schwarzwald oder den Alpen. Bei dir ist es dann aber schon etwas extremer als bei anderen Leuten, die in den Winterurlaub fahren.
Jörn Theissig: Ja, das stimmt natürlich (lacht). Unter den vielen Touren, die ich in der Kälte gemacht habe, ist der Yukon Arctic Ultra (YAU) sicher das begeisterndste Erlebnis gewesen. Der YAU gilt aufgrund seiner Länge und den extrem niedrigen Temperaturen als der härteste und kälteste Ultramarathon der Welt. Der Lauf führt in Kanada entlang des Yukon River durch Eis und Schnee und die Teilnehmer können sich zwischen drei Distanzen (100, 300 oder 430 Meilen) entscheiden. Es ist eigentlich eine gewaltige Untertreibung, wenn man die 100 Meilen als eine kurze Strecke bezeichnet, da auch hier die Herausforderungen unheimlich groß sind: Die extremen Temperaturen, die nachts regelmäßig -35 Grad Celsius erreichen und im Extrem noch niedriger sind. Die Übernachtungen in einem kleinen Zelt mutterseelenallein in der kanadischen Wildnis. Und natürlich die sportliche Leistung, durch den Schnee zu laufen und alles, was man zum Überleben braucht in der Pulka (einem bootsähnlichen Schlitten) mitzuschleppen.

Dich haben die Herausforderungen allerdings nicht abschrecken können. Im Gegenteil: Du hast sogar mehrmals am YAU teilgenommen.
Jörn Theissig: In der Tat. 2013 und 2015 startete ich jeweils zum 430 Meilen Lauf, kam auch sehr weit, musste aber beide Male verletzungsbedingt aufgeben. 2016 erfüllte sich dann mein Traum, beim YAU auch das Ziel zu erreichen. Ich schaffte die 300 Meilen-Strecke von Whitehouse nach Dawson City innerhalb von gut sieben Tagen, genauer gesagt: in 169 Stunden und 30 Minuten, und kam als Zehnter von 32 Teilnehmern ins Ziel. Es war ein großartiges Gefühl und auch die Erinnerung bringt unheimliche Emotionen in mir auf.

Eine unglaubliche Leistung, wenn man bedenkt, dass das 70 Kilometer pro Tag sind an 7 Tagen hintereinander in Schnee und Eis und schwer bepackt. Du erwähntest deine beiden ersten Teilnahmen in 2013 und 2015. Obwohl du damals das Ziel leider nicht erreichtest, waren es dennoch besondere Events für dich.
Jörn Theissig: Das stimmt. Meine Yukon-Läufe 2013 und 2015 habe ich nämlich jeweils mit einer Spendenaktion verbunden und konnte so durch meine Leidenschaft auch etwas sehr positives bewirken für Menschen, denen es nicht so gut geht. 2013 sammelte ich über 40.000 Euro für das Hilfsprojekt Cargo Human Care, das unter anderem ein Waisenhaus für 128 Kinder und ein medizinisches Zentrum für die Versorgung von über 10.000 Menschen in der Nähe von Nairobi aufbaute. Von den Spendengeldern wurde für das Waisenhaus ein neues Küchengebäude errichtet. 2015 kamen dann stolze 70.000 Euro für das deutsche Projekt Schmetterling e.V. zusammen, das sich für die psychologische Betreuung von Krebspatienten und deren Angehörigen einsetzt und diese finanziell unterstützt. Nach unseren Erkenntnissen die bislang größte Spendensumme in Deutschland, die durch einen privat organisierten Spendenlauf mit einer Vielzahl von lieben Menschen erzielt wurde.

Neben den Spenden gelang es durch den Spendenlauf auch, mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf den Kampf gegen den Krebs und die Arbeit des Vereins „Projekt Schmetterling“ zu lenken – und auch darauf bin ich sehr stolz. Letztlich passte das Ziel des Spendenprojekts auch sehr gut zu mir: Erstens ist mir der Kampf gegen die Krankheit sehr wichtig, da meine Mutter selbst an Krebs starb. Zweitens brauchen Krebskranke Hoffnung, Willenskraft und Mut, um die Krankheit zu besiegen – und dies sind genau jene Eigenschaften, die für mich beim YAU unerlässlich sind.



Du bekamst durch die Spendenläufe und die Zusammenarbeit mit Schmetterling e.V. aber auch einiges zurück, oder?
Jörn Theissig: Absolut, die Spendenläufe waren eine tolle Erfahrung, weil es Teamprojekte waren. Alleine bekommt so etwas niemand hin, man muss Überzeugungsarbeit leisten, die richtigen Strukturen und Konzepte haben, wenn man andere davon überzeugen möchte, dass sie Geld für einen guten Zweck geben. Die Begeisterung der Menschen, die dann im Internet meinen Lauf verfolgt haben, hat mir umgekehrt auch sehr viel zurückgegeben, denn ich spürte, dass ich nicht alleine laufe sondern in einem Team. Natürlich war ich alleine da draußen, aber ich habe sehr viel an die Gespräche mit den Krebskranken gedacht und wusste immer, dass viele Menschen mir die Daumen drücken und an meinem Lauf teilhaben. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben und den Lauf besonders erfüllend gemacht.

Womit sich der Kreis dieses Interviews schließt und wir wieder bei deinem Lebenstraum eines erfüllten Lebens angekommen sind. Worüber möchtest du in deinen kommenden Artikeln auf Dreampions.de schreiben?
Jörn Theissig: Nun, ich habe mir selbst schon einige Gedanken gemacht und würde gerne mehr in die Details und Hintergründe meiner Abenteuer gehen: Warum tue ich mir das an? Wie gehe ich mit möglichen Risiken um? Was lerne ich aus diesen Expeditionen für den Alltag? Was sind die Voraussetzungen, wenn man solche Abenteuer angehen möchten? Ich könnte wahrscheinlich noch 5 bis 10 weitere spannende Themen finden.

Gerne würde ich aber über Themen schreiben, die eure Leser interessieren und nicht nur das, was ich für interessant halte. Schreibt also gerne an kontakt@dreampions.de, wenn ihr Fragen an mich habt oder Anregungen für Artikelinhalte.

Ich freue mich, von euch zu hören und kann euch hoffentlich mit einigen Artikeln begeistern!
Jörn

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