Warum gewöhnlich, wenn auch Disc Golf geht?

Simon Lizotte beschreibt seinen Weg aus Bremen auf die Disc Golf World Tour


© Discmania

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Wie kommt man bloß zu so einer Sportart? In 99 von 100 Fällen ist das die erste Frage, die mir gestellt wird, wenn ich von meinem Hobby, meinem Job oder vielmehr von meiner Berufung erzähle. Die zweite lautet: Und was ist das eigentlich?

Frage zwei beantworte ich euch in einem anderen Artikel. Aber jetzt erst mal dazu, wie ich zum bisher einzigen deutschen Profispieler im Disc Golf geworden bin.



Inspiration aus der Familie
Mein Vater ist Kanadier, und Kanadier sind wie alle Amerikaner verrückt nach Sportarten, bei denen man etwas werfen kann. Er hat also schon Disc Golf gespielt, als er noch in Kanada lebte. 1992 kam er nach Deutschland und hat den Sport aus seiner Heimat mit hierher gebracht. Auch heute noch gibt es für ihn nichts Schöneres, als seine Freizeit draußen auf dem Feld mit einer Frisbee zu verbringen. Wenn ich von meinen Reisen durch die Welt nach Hause komme und einfach nur ein paar Tage relaxen will, ehe ich wieder weiter muss, geht mein Vater trotzdem mit Freunden raus und spielt. Es ist daher kaum verwunderlich, dass ich meine erste Frisbee geworfen habe, bevor ich zusammenhängende Sätze sprechen konnte. Ich wuchs damit auf, und mit jedem Wurf, den ich machte, wuchs ich auch mehr in den Sport hinein.

Irgendwann wurde es mir zu langweilig, die Scheibe immer nur quer über den Platz zu jagen. Ich kannte Disc Golf ja bereits, also probierte ich es aus und war begeistert davon, wie viel Spaß es machte. Noch mehr faszinierte mich allerdings die Tatsache, dass ich wirklich schnell richtig gut wurde. Das ist übrigens eines der Dinge, die ich an diesem Sport liebe: Deine Leistung steigert sich schon nach wenigen Übungsstunden. Allerdings bedeutet das nicht, dass man mit wenig Einsatz viel erreichen kann. Natürlich braucht es Training.

Träumen zahlt sich aus
Anfangs übte ich, sobald ich Lust darauf hatte, doch bald reizte mich der Gedanke, an Turnieren teilzunehmen. Besucht hatte ich schon etliche, und endlich bei einem als Spieler dabei zu sein, war die erste Etappe meines großen Traumes. Also strengte ich mich noch mehr an, verbrachte noch mehr Stunden im Garten oder auf dem Fußballfeld und konnte schließlich im Jahr 2000, mit gerade einmal sieben Jahren, das erste Mal an den Start gehen. Von da an stand für mich endgültig fest, dass ich Profispieler werden wollte. Wenn andere Kids in der Schule Polizist oder Arzt oder etwas anderes Bodenständiges als Berufswunsch angaben, antwortete ich: „Professioneller Disc Golf Spieler.“

Viele schüttelten den Kopf über diesen Traum, meine Eltern allerdings nie. Sie unterstützten mich dabei, als ich mit jedem Jahr mehr Turniere spielen wollte und schließlich sogar auf der German Tour antreten konnte. Stundenlang ließen sie mich im Garten das Putten üben und hatten nichts dagegen, wenn ich Scheibe um Scheibe über den Fußballplatz ballerte, um noch weitere Würfe mit noch höherer Geschwindigkeit zu schaffen. Ihre einzige Bedingung lautete, ich sollte das Abitur machen. Ein Plan B war ihnen wichtig.

Rasanter Aufstieg
Zehn bis 15 Wettkämpfe pro Jahr standen auf der German Tour an, zunächst alle in der Junioren-Division. Mit 15 Jahren konnte ich dann schon zu den Erwachsenen aufsteigen und zählte bereits ein Jahr später zu den besten deutschen Spielern überhaupt. Sechs deutsche Meisterschaften konnte ich seither für mich entscheiden, und so abgedroschen es klingt, aber bald gab es in Deutschland kaum mehr Konkurrenz für mich. Also erweiterte ich meinen Spielraum, konzentrierte mich auf ganz Europa, anstatt mich weiterhin auf nationale Turniere zu beschränken. Skandinavien hatte ich im Blick, und hier vor allem Finnland, denn Disc Golf gilt dort als der am schnellsten wachsende Sport seit Jahren. Die Medienpräsenz und das Interesse bei den Zuschauern sind gigantisch. Dort lernte ich auch einen meiner größten Fans kennen, den Chef von Disc Mania, der im Jahr 2009 zu meinem allerersten Sponsor wurde.

Mit 18 Jahren schließlich hatte ich auch den Großteil der europäischen Gegner hinter mir gelassen. Der Sprung über den Atlantik ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten war die einzige Chance, mich in diesem Sport noch weiterzuentwickeln, denn hier sind nicht nur die Zuschauerzahlen und Preisgelder höher – was für meine angestrebte Profi-Karriere ja nicht ganz unwichtig ist -, das Level der Spieler ist obendrein um Längen besser als das der europäischen Konkurrenten.

Glücklicherweise war mein Sponsor ohnehin gerade dabei, sich auch in den Staaten ein Standbein aufzubauen, und so landete ich 2014 schlussendlich in den USA. Los Angeles, um genau zu sein. Anfangs durfte ich dort kostenfrei eine Wohnung beziehen, doch schon bald reifte der Plan, dieses riesige Land zu durchqueren und an so vielen Turnieren teilzunehmen wie möglich.

Und jetzt?
Die meiste Zeit des Jahres tue ich nun genau das, quer durch Amerika reisen und Turniere spielen. Dazu kommen die Turniere in anderen Ländern. Australien, Neuseeland, Europa …

Was bleibt mir mehr zu sagen als: Ich lebe meinen Traum, Leute!








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