„Und zum Schluss willst du über den Atlantik schwimmen“

Wolfgang Kulow

© via: Wolfgang Kulow

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Für mich ist Extremsport eine Lebenseinstellung, neue Grenzen zu testen und zu überwinden mein Lebenstraum. Ich habe einen 10-fach Ironman absolviert, bin 5.000 km durch die USA geradelt und bin 90 km am Stück um die Insel Fehmarn geschwommen. Ich halte Weltrekorde im Unterwasserradfahren, bin als Erster einen Unterwassermarathon gelaufen und habe gerade eine Weltrekord im Tauchen bei der schnellsten Unterwasser-Querung des Fehmarnbelt aufgestellt.

Warum ich das tue? Ein Leben ohne große Abenteuer kann ich mir nicht vorstellen. Es gibt einfach zu viel zu entdecken. Schon als Kind hatte ich mir das Ziel gesetzt, die Welt zu erkunden. Ich wollte die Erde mit all ihren Facetten kennenlernen.

Kindheit im Abenteuer-Paradies
Ich wuchs in Großenbrode an der Ostsee auf und mein heimisches Umfeld war sehr abenteuerlich. Es gab dort 7 Bunker, einen alten Flugplatz, einen Hafen, Torpedo-Versuchsanlagen, ... Alles war nach dem Zweiten Weltkrieg einfach so zurückgelassen worden. Es war ein richtiges Abenteuer-Eldorado. Da konnte ich schon als Kind meine kleinen Expeditionen und Abenteuer durchführen. Und im Winter konnte ich kilometerlang über das Eis wandern. Mit 10 oder 12 Jahren war ich oft abends spät mit dem Schlitten auf dem Eis unterwegs, habe Sterne geguckt oder bin geschwommen.


Wir waren zu Hause 3 Jungs und meine Eltern ließen uns immer viel Freiraum. 50 Meter vor unserer Haustür lag ein großes Binnengewässer mit Zugang zur Ostsee. Das ist immer schnell zugefroren. Meine Eltern fanden es gar nicht schlimm, dass ich oft abends allein unterwegs war. Das war alles entspannter als heute. Und ich war auch nicht die ganze Nacht unterwegs. Gerade im Winter wird es ja früh dunkel. Ich bin dann so gegen 19 Uhr los und war gegen 21 oder 22 Uhr wieder zu Hause.

Mit dem Tauchervirus infiziert
Als ich 13 war, kamen die Marine und die Luftwaffe nach Großenbrode. In der Marine entstand ein privater Tauchclub, wo ehemalige Kampfschwimmer und Minentaucher nach Feierabend eine Tauchausbildung anboten. Das war für uns Jugendliche aus dem Dorf eine super Abwechslung. Wir hatten ja die Ostsee direkt vor der Haustür und dort konnten wir mit der Flasche auf dem Rücken tauchen lernen. Das war einfach toll. Es fühlte sich so futuristisch an, unter Wasser zu gehen und dort normal zu atmen. Das war einfach Wahnsinn. So begann es und meine Begeisterung wuchs.

Wir waren jeden Tag nach der Schule im Tauchclub. Die Taucher waren irgendwann froh, wenn sie uns in der Kaserne mal loswurden. Die hatten ja auch Mädchen und Autos im Kopf. Sie sagten dann: „Du schwimmst jetzt 3 km zum Sund und läufst dann am Strand zurück!“ So hatte ich eine Aufgabe und sie ihre Ruhe und konnten mit den Mädchen losziehen. Doch das war mir egal. Ich wollte ja lernen und unterwegs sein.

Bald darauf startete ich meine erste Expedition. Die Marinetaucher waren schon mal auf Korsika gewesen und schwärmten von dem blauen Wasser, den bunten Fischen und der wunderschönen Unterwassersicht. Man konnte dort 30 bis 40 Meter weit sehen, im Vergleich zu 5 bis 6 Metern in der Ostsee. Es war für mich ein Traum, das einmal selbst zu erleben. Also machte ich mich bald dahin auf. Danach fuhr ich zum Tauchen nach Spanien und so ging es immer weiter.

Der Traum vom Abenteuer
Mein Traum vom großen Abenteuer ist eine Mischung. Auf der einen Seite steht meine Begeisterung für die Natur, die außergewöhnliche Szenerie, die manchmal außer mir kaum ein Mensch zu Gesicht bekommen hat. Wenn du da in der Einsamkeit unterwegs bist und Nordlichter oder andere Formationen aus Wolken und Licht am Himmel siehst oder in der Wüste die Schattenwirkungen und Veränderung des Lichts und der Farben, das ist hochmotivierend. Auf der anderen Seite ist es die Mischung aus körperlicher Fitness und dem technischen Know-How. Ich will die mögliche Technik dafür zu nutzen, um Dinge zu realisieren, die es vorher nicht gab, damit neue Wege zu gehen. Das finde ich äußerst spannend und laufe dabei immer zu Höchstform auf. Vor allem, wenn besondere Lösungen gebraucht werden, es Schwierigkeiten gibt, Dinge unmöglich scheinen und Grenzen gesetzt werden. Dann versuche ich es erst recht zu schaffen.

Dabei muss ich in Kauf nehmen, dass ich von den normalen Menschen immer weiter abrücke. Viele träumen davon, mal in die Karibik oder auf die Malediven zu fliegen, um dort Urlaub zu machen. Meine Träume gehen in eine ganz andere Richtung, in andere Dimensionen. Bei mir steht immer die Freiheit ganz oben. Die will ich erleben, mit einer Mischung aus Körper, Geist und Natur. Das gibt ein enormes Glücksgefühl.

Die Träume wachsen
Aus diesem Gedanken entstehen immer wieder neue Ziele. Dabei steigen meine Ansprüche und die Ziele verschieben sich immer weiter nach oben. Das geht, ohne dass man das merkt. Ich wollte gar nicht von Anfang an die höchsten Ziele erreichen. Das baute sich Schritt für Schritt auf. Du schwimmst erst durch den Dorfteich, dann über den Sund, dann schwimmst du über den Fehmarnbelt (eine ca. 18 km breite Wasserstraße, die die dänische Insel Lolland mit der Insel Fehmarn verbindet), über den Ärmelkanal und zum Schluss willst du über den Atlantik schwimmen. Das ist irgendwie eine Spirale.



Ich überlege immer wieder, was ich schon geschafft habe. In Mexiko bin ich beim 10-fach-Ironman 38 km geschwommen, 1800 km Rad gefahren und 422 km gelaufen. Dann habe ich mir überlegt, dass ich noch viel weiter schwimmen kann, wenn ich das Laufen und das Radfahren weglasse und die Energie für das Schwimmen nutze. Also bin ich dann 50 km geschwommen von Langeland bis Heiligenhafen. Das ist fast wie ein Spiel. Ich schaue, was ist noch machbar, wo ist noch Potential.

So finde ich immer wieder neue Projekte, die mich begeistern und motivieren. Und ich habe auch schon die nächste große Idee im Kopf… Es fühlt sich auf jeden Fall toll an, einen Traum zu haben und den auch verwirklichen zu können - und ich freue mich darauf, in meinen nächsten Artikeln mehr von meinen Expeditionen zu berichten. Bis dahin,

Euer Wolfgang Kulow







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