Nach Rückschlägen zu meinen 3 größten Basketball-Karriere-Highlights


© privat via Jens Kujawa

In seiner Artikelserie bei Dreampions beschreibt Jens Kujawa seinen Weg und gibt persönliche Einblicke und (hoffentlich) hilfreiche Meinungen.

Teil 1: Basketballerische Anfänge und mein Karrierestart in den USA
Teil 2: Meine Zeit am US-College und persönliche Tipps für Nachwuchs-Talente:
Teil 3: Meine 3 größten Erfolge:


Rückkehr nach Deutschland
Nach meinem Universitäts-Abschluss an der University of Illinois war es für mich Zeit, nach Deutschland zurückzukehren. Ich hätte theoretisch noch ein weiteres Jahr an der Uni spielen können. Doch ich bekam ein Angebot für einen 3-Jahres-Vertrag in Leverkusen. Das Geld und die Herausforderung reizten mich sehr. Ich hatte die Aussicht, in der ersten Fünf ein Leistungsträger zu sein.

An der Uni war ich eher ein Rollenspieler, obwohl ich größtenteils in der ersten Fünf spielte. Es machte mich etwas wehmütig, dass es mein Uni-Team im Jahr, nachdem ich ging, ins NCAA Final-4 schaffte und zeitweise in der Rangliste aller Teams die Nummer 1. war. Die „Fighting Illini“ waren eine großartige Mannschaft mit vielen späteren NBA-Spielern (Kendall Gill, Nick Anderson, Kenny Normann, u.a.). Ich glaube aber nach wie vor, dass es die richtige Entscheidung war, nach Leverkusen zu gehen. Jim Kelly und Assistent Dirk Bauermann heuerten mich an. Im Team waren schon Henning Hanisch, Gunther Behnke, Michael Pappert und Lutz Wadehn – das war eine starke Mannschaft mit vielen deutschen Leistungsträgern.

Ein gesundheitlicher Schock
In der Vorbereitung für die Saison 1988/89 verletzte ich mich leider sehr schnell am Rücken: schwerer Bandscheibenvorfall. Alle Ärzte sagten mir damals, ich müsste meine Karriere beenden. Es war heftig: ich hatte z.B. über 50% Fußheberschwäche. Auch vorher an der Uni hatte ich schon mal eine Verletzung, das war aber bei weitem nicht so schlimm. Dass mir jetzt drei Ärzte sagten, ich sollte aufhören, war natürlich ein Schock.

Ich fand dann schließlich einen Arzt in Köln, einen Neurologen, der sagte, er wollte das konservativ behandeln und ich hätte durchaus Chance auf Genesung. 3-4 Monate arbeitete ich dann intensiv an meiner Rückenmuskulatur, strampelte auf dem Fahrrad, während die Jungs spielten. Im Dezember konnte ich dann wieder einsteigen und bekam ordentlich Spielzeit, sogar teilweise in der ersten Fünf. Wir spielten lange erfolgreich, verloren dann aber das Finale in der Meisterschaft und im Pokal gegen Bayreuth.

Der nächste Schlag in der Sommerpause
Ich wollte dann zweieinhalb Monate in den USA verbringen, doch der neue Cheftrainer, Dirk Bauermann, sagte, er bräuchte mich als potentiellen Stammspieler bereits nach vier Wochen wieder im Individualtraining. Als ich am ersten Tag wieder zurück war, hatte ich ein Gespräch mit Dirk Bauermann. Er sagte, sie hätten entschieden mit Gunther Behnke primär auf der Centerposition zu spielen. Ich könnte wohl zweite Mannschaft spielen, sollte mir aber besser einen neuen Verein suchen. Das war natürlich hart und traf mich auch emotional.

Ich spielte zu diesem Zeitpunkt mit wesentlichen Spielanteilen in der Nationalmannschaft, war aber in der Vereinsplanung erst mal außen vor. Also suchte ich mir einen neuen Verein: Bayreuth. Ich war mir mit dem Verein einig, sie hätten meinen Vertrag 1:1 übernommen. Doch im letzten Moment sagte Leverkusen, dass sie mich nicht nach Bayreuth gehen lassen würden. Sie wollten den Konkurrenten nicht stärken, obwohl sie mich nicht mehr wollten. Daraufhin entschied ich mich zu bleiben und eben für das gleiche Geld in der zweiten Mannschaft zu spielen. Es war ja ihre Entscheidung und ich schaltete erst mal auf stur. Im Ergebnis wurde ich nach Ludwigsburg für ca. 60% des Gehalts als Leihgebühr verliehen und wurde damit der erste Leihspieler der Bundesliga.

Highlights in Ludwigsburg und Ulm
In Ludwigsburg hatte ich die beste Zeit meiner Karriere: Ich spielte dort mit Markus Jochum als Aufbauspieler. Es gab ein tolles Publikum. Ich war Mannschaftssprecher, teilweise später auch Kapitän. Das war eine tolle Zeit. Insgesamt blieb ich für 4 Jahre in Ludwigsburg. Dann war der Verein insolvent.

Ich stand vor der Wahl zwischen Ulm und Berlin. Ich entschied mich gegen Berlin, weil ich dachte, dass ich Svetislav Pesic als Coach mit meinen Rückenproblemen wohl nicht sehr lange überlebt hätte. Ich wechselte nach Ulm und spielte dort einige Jahre sehr erfolgreich. Wir gewannen 1996 den Pokal gegen Leverkusen im Endspiel, das war der größte nationale Erfolg für mich und den Verein.

Erlebnisse und Entscheidungen um Olympia
Parallel zu meiner Bundesliga-Karriere waren natürlich die Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona ein grandioses Erlebnis. Es war unglaublich, bei der Eröffnungsfeier gemeinsam mit Boris Becker und Michael Stich einzumarschieren. Steffi Graf wurde selbst während der Eröffnungsfeier ununterbrochen vor Autogrammjägern gejagt so dass wir als Team uns um Sie herum erfolgreich als Schutzschild platzierten. Ich trainierte mit Boris Becker zusammen im Fitnessbereich und spielte in einem unvergesslichen Spiel gegen das legendäre US-Dream Team. Dabei foulte ich Michael Jordan (in meiner Wahrnehmung ein sauberer Steal), blockte Christian Laettner und setzte gegen Karl Malone einen Hakenwurf daneben.

Nach der Olympiade erklärte ich meinen Rücktritt aus der Nationalmannshaft. Der Coach hatte einige der Bankspieler mit geringen Spielzeiten - auch im Spiel gegen die USA, welches mit 43 Punkten Unterschied verloren ging - demotiviert. Daraufhin traten insgesamt drei Spieler nach der Olympiade zurück. Ich lästerte dann in der Bildzeitung etwas über die Art und Weise der Behandlung in der Nationalmannschaft ab, was natürlich in der Nachbetrachtung eine jugendliche Dummheit aus verletzten Stolz war. Svetislav Pesic und ich trafen dann die Vereinbarung, dass ich als Center von der Bank mit wenig Spielzeit nicht mehr zur Verfügung stehen würde.

Karrierehighlight auf Umwegen: Europameisterschaft 1993
Für den Sommer 1993 hatte ich mit meiner Familie einen sehr langen Urlaub in den USA gebucht. Alles war gepackt und wir wollten Montagmittag losfliegen. Sonntagabend um 22 Uhr rief Coach Pesic an. Er sagte: „Ich brauche dich für die EM. Morgen fängt die Vorbereitung in Bad Griesbach an!“ Christian Welp hatte abgesagt und Gunther Behnke würde wegen einer Verletzung am Auge wahrscheinlich ausfallen. Also war ich als zweiter Center neben Hansi Gnad eingeplant. Es war eine EM im Deutschland, also sagte ich ohne größeres Zögern zu. Ich machte noch einen Deal, so dass ich wenigstens die Familie zur Vorbereitung mitnehmen konnte. Das war großartig.

Letztlich kam Christian Welp auf Druck des Verbands doch und auch Gunther Behnke wurde wieder gesund. Ich war also trotzdem nur vierter Center und spielte nicht viel. Doch im Rückblick war das eine großartige Entscheidung. Diese gewonnene Europameisterschaft war das tollste Erlebnis meiner Karriere. Es war emotional der absolute Höhepunkt, den ich erleben durfte. Auch heute noch erwähne ich gerne im privaten und geschäftlichen Umfeld, dass ich einer von 12 Europameistern in Deutschland bin. Respekt und Anerkennung sind die Ergebnisse.

Weitere „Bonbons“ als Ergebnis der Europameisterschaft waren Einladungen zum Ball des Sports und die Wahlen zur Mannschaft des Jahres von Journalisten und Fernsehpublikum. Beim Ball des Sports eröffneten Helmut Kohl und Hans Dietrich Genscher den Tanz, Josef Neckermann war anwesend und ich kam mit vielen Berühmtheiten in Kontakt. Definitiv bleibende tolle Erinnerungen.

Karriereende
Auch nach diesen unglaublichen Highlights musste meine Basketball-Karriere irgendwann zu Ende gehen. Was bis dahin geschah und wie genau ich mich aus dem Sport zurückgezogen habe, erzählich ich in meinem nächsten Artikel bei Dreampions.

Bis dahin,
Jens

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